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Martin K. Halliger

PR-Management / Pressesprecher

Fraunhofer investiert sechs Millionen Euro

MZ 19.11.2015

Die Energiewende in Deutschland soll zu einem großen Stück in Leuna vorangetrieben werden. Im Rahmen eines Pilotprojekts am Chemiestandort wird künftig nämlich erforscht, wie der für die Produktion unabdingbare Wasserstoff per Elektrolyse aus Wasser und nicht genutztem Strom von Solaranlagen oder Windrädern gewonnen werden kann. Dazu wird die Fraunhofer-Gesellschaft in Leuna kräftig investieren: Für sechs Millionen Euro soll eine Elektrolysetest- und Versuchsplattform errichtet werden. Die Pilotanlage wird in unmittelbarer Nachbarschaft zur Wasserstoffproduktion der Linde AG entstehen. Der Bau soll Ende 2017 starten.

Säule für die Energiewende

„Die zukünftige Nutzung von ’grünem’ Wasserstoff, der aus erneuerbaren Energien mittels Elektrolyse hergestellt wird, bildet nach aktuellen Studien eine maßgebliche Säule für die erfolgreiche Umsetzung der Energiewende“, teilt Andreas Dockhorn vom Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik in Halle auf MZ-Anfrage mit. Er sieht vor allem für die energieintensive Industrie attraktive Nutzungsmöglichkeiten - und die Chance, von der Kohle als Energiequelle für Prozesse abzurücken.

Ostdeutschland - insbesondere das Chemiedreieck Leuna, Böhlen, Bitterfeld - soll zu einer Wasserstoff-Modellregion werden. Das hatte bereits Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) bei einem Besuch in Leuna im vergangenen Jahr betont. Denn die Großindustrie verbraucht laut Angaben des Fraunhofer-Instituts hier etwa 100.000 Kubikmeter Wasserstoff pro Stunde. Der Bedarf in der Region ist also enorm.

„Die Herstellung von Wasserstoff aus der Elektrolyse ist zudem teuer“, weiß auch Andreas Dietrich, Manager bei der Linde AG in Leuna. Sein Unternehmen befürwortet die Pilotanlage ausdrücklich. „Wenn wir den überschüssigen Strom aus Windkraftanlagen oder Solarparks nutzen, profitieren ja schließlich alle davon“, meint Dietrich.

Damit die Idee von der Wasserstoff-Modellregion auch Realität wird, hat sich das Forschungskonsortium Hypos gegründet. An dem Innovationsprojekt sind 120 Firmen, Hochschulen und andere Forschungseinrichtungen aus ganz Deutschland beteiligt. Mit 45 Millionen Euro wird es vom Bundesforschungsministerium über das Programm „Zwanzig20 - Partnerschaft für Innovation“ bis 2019 gefördert. Dann soll alles von alleine laufen. „Schon jetzt bietet das Chemiedreieck dafür Standortvorteile“, meint Andreas Dietrich von Linde. Wohl mit der wichtigste ist das umfassende Pipeline-System, das die Chemiestandorte Böhlen, Leuna und Bitterfeld miteinander verbindet und so den Transport der Rohstoffe vereinfacht. Nun müssen nur noch die Kosten für die Produktion sinken.

Um herauszufinden, wie die Herstellung verbilligt werden kann, soll ab Ende 2018 die Pilotanlage der Fraunhofer-Gesellschaft in Leuna den Betrieb aufnehmen. Gleichzeitig untersucht Hypos, wie unterirdische Erdgasspeicher künftig auch für Wasserstoff genutzt werden können.

Ziel ist die Markttauglichkeit

Die Stätte steht laut Angaben Herstellern sogenannter Elektrolyseure als Testplattform zur Verfügung. „Zum aktuellen Zeitpunkt existiert in Mitteldeutschland keine Möglichkeit, die zukünftige Relevanz solcher Anlagen im großtechnischen Bereich zu testen und diese markttauglich zu machen“, betont Andreas Dockhorn vom Fraunhofer-Zentrum für Werkstoffmechanik.