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Martin K. Halliger

PR-Management / Pressesprecher

Wenn es brenzlig wird

MZ 09.03.2013

Der Fahrer eines Tanklastzugs kam nicht weit. 18.000 Liter Benzin und 13.000 Liter Diesel hatte er in der Raffinerie Leuna gebunkert. Vermutlich wurde ihm dann die glatte Bundesstraße 91 zum Verhängnis. Nahe der Ortschaft Bäumchen rutschte das Gespann von der Fahrbahn und kippte auf die Seite. Die Feuerwehr musste daraufhin Kraftstoff abpumpen (die MZ berichtete). „Die Bergung des Fahrzeugs war grenzwertig“, erklärte seinerzeit der Weißenfelser Ortswehrleiter Steve Homberg und bezog sich vor allem auf Halteösen am Tank, die zu reißen drohten. Hans-Willi Schubert, Kreisbrandmeister im Burgenlandkreis, nahm den Unfall zum Anlass, um über Risiken zu sprechen, die die Chemie mit sich bringe. Die Gefahr dürfe man nicht unterschätzen.

Frank Hesselbarth, Leiter der Werkfeuerwehr des Standortbetreibers InfraLeuna, hatte aus der Presse von dem umgekippten Tanklastzug erfahren. „Hätte man uns angefordert, dann wären wir natürlich zu Hilfe gekommen“, sagt er. Zwar ist die Werkfeuerwehr in erster Linie zum Schutz des Chemieparks da. Allerdings ist die Berufsfeuerwehr der InfraLeuna - wie jede andere Werkfeuerwehr auch - zum Einsatz außerhalb des Chemiestandorts verpflichtet, wenn sie von der Gemeinde angefordert wird. So ist es unter Paragraf 12 des Brandschutzgesetzes von Sachsen-Anhalt geregelt.

Darüber hinaus leistet die chemische Industrie aber noch weit mehr, um die öffentliche Sicherheit zu erhöhen. 130 deutsche Chemie-Unternehmen arbeiten im „Transport-Unfall-Informations- und Hilfeleistungssystem“, kurz TUIS, zusammen. „Die Firmen stellen sich ihrer Produktverantwortung von der Erzeugung bis zum Endverbraucher“, erzählt Hesselbarth. Zwölf Notrufleitstellen der Chemiebetriebe decken die Bundesrepublik ab. Die einzige Notrufzentrale in Sachsen-Anhalt läuft unter der Regie der Infra-Werkfeuerwehr. Kommt es in Deutschland zu einem Unfall mit Gefahrgut, „ist sichergestellt, dass derjenige Auskunft und Hilfe geben kann, der auf die jeweiligen Stoffe spezialisiert ist“, so Hesselbarth. Etwa 50 chemische Verbindungen hat die InfraLeuna in einer Datenbank hinterlegt.

Feuerwehren, die an Einsatzorten eintreffen, können dann online über TUIS den passenden Ansprechpartner finden. „Die Hilfe funktioniert in drei Stufen“, sagt Hesselbarth. In den meisten Fällen reicht schon eine telefonische Beratung, um eine Situation zu klären. Bei Bedarf kann die Leitstelle ein Produktdatenblatt mit den wichtigsten Fakten verschicken. Ist die Lage kniffliger, organisiert die Leitstelle Experten aus den Firmen und schickt sie an den Ort des Geschehens. Aber auch die direkte Hilfe mit Personal und Technik der Werkfeuerwehr ist möglich.

Das vorerst letzte Mal mussten die Leunaer vor zwei Jahren ausrücken. In Bleicherode waren zwei Züge kollidiert, die Mineralöle transportierten. Die Einsatzführung forderte damals die Werkfeuerwehr der Infra an, um Flüssigchemikalien umzupumpen. „Solche Fälle sind aber sehr selten“, erzählt Frank Hesselbarth. Im Schnitt wird die Leitstelle sechs Mal pro Jahr über TUIS aktiviert. Da das System auch international funktioniert, kam auch schon einmal eine Anfrage aus Schanghai.

„TUIS hat sich bewährt. Ich kann nur hoffen, dass es auch wirklich bis in die letzte Ortsfeuerwehr bekannt ist. Es schadet nicht, nachzufragen“, sagt Hesselbarth. Darüber hinaus gibt die InfraLeuna auch am Standort selbst regelmäßig Informationen an die Haushalte heraus, wie man sich bei Störfällen verhalten sollte. Gerade erst wurde wieder eine Broschüre verteilt.